Meine Jahre in Paris

Nach meiner Schulzeit in Fürth zog es mich nicht nur der Liebe wegen in die Stadt an der Seine. Dort wollte ich unbedingt an einer der bekanntesten und renommiertesten Lehranstalten für Modedesign, der Esmod International, studieren. Esmod war neben der Central Saint Martins College of Art and Design in London das Non plus Ultra im Bereich der Ausbildung zur Modedesignerin. Um einen der begehrten Studienplätze zu bekommen, musste ich neben einem theoretischen, künstlerischen Eignungstest auch einige fachpraktische Arbeiten abliefern, da praktische Vorkenntnisse unerlässlich waren. Da war es doch nur zu gut, dass ich in der Schule Kunst belegt hatte und ein kleines Portfolio an  Skizzen und Entwürfen bereits gesammelt hatte. Zudem hatten sich im Laufe der Jahre auch einige Nähprojekte angesammelt, die ich nun vorzeigen konnte. Das war eines meiner großen Pluspunkte gegenüber den anderen Bewerbern. Ich habe aber gleich gemerkt, wer sich hier etablieren will, braucht starke Nerven und sollte belastbar sein – und das am besten schon im Studium. Hinderlich waren dabei für mich zunächst neben der exklusiv hohen Aufnahmegebühr auch die jährlichen Studiengebühren sowie die nicht zu unterschätzenden Lebenshaltungskosten in der französischen Hauptstadt, so dass ich schon vor und während des Eignungs- und Zulassungsprozesses bei der Modefirma Caroll International als Mitarbeiterin im Verkauf unterkam. Es hat mich immerhin 2 Jahre gekostet die Summe für das erste Studienjahr zusammen zu bekommen. Auch für das sonstige Studienmaterial (u.a. Schnittpapier, Zeichenstifte, Copic-Marker, Kohlestifte, Stoffe etc.) sollte ich monatlich mit einem zusätzlich mittleren dreistelligen Eurobetrag rechnen.

Da die Aufnahmequote an der Esmod sehr gering war, kam man mit Talent allein oft nicht weit. Auch eine starke Persönlichkeit war immer eine Grundvoraussetzung: Wer nicht kritikfähig war und ist, hat in dieser Branche nichts verloren. Auch heute noch muss ich oft an einen Satz einer Professorin denken, der sich bei mir eingebrannt hat, aber die Vorgaben des Studiums nur allzu deutlich aufzeigt: „Nur Tod entschuldigt Fehlen“.

2018-11-24T15:46:54+00:00